
Kunst ist mehr als Dekoration – sie ist Ausdruck, Haltung und manchmal Verantwortung. Wenn sie gesellschaftliche Themen aufgreift und zugleich konkrete Hilfe leistet, entsteht Artivismus: die Verbindung von Kunst und Aktivismus.
Ein wunderbares Beispiel dafür ist die vom norwegischen Künstler David Sandum ins Leben gerufene Postcard Art Exhibit. Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt spenden Originale im Postkartenformat (13 cm x 17.5 cm), die jedes Jahr in einem anderen Land ausgestellt und verkauft werden. Jedes Bild kostet gleichviel, in der Regel 33 Euro, egal, von wem es geschaffen wurde. Der Erlös aus den Verkäufen fließt zu 100% in ein wohltätiges Projekt vor Ort. Die Idee berührt mich besonders: kleine, persönliche Arbeiten – erschwinglich und zugänglich –, die gemeinsam große Wirkung entfalten und konkrete kulturelle Teilhabe ermöglichen.
2022 habe ich schon einmal an der damals noch Twitter Art Exhibit genannten Ausstellung in York/Großbritannien mit meinem Bild „Frühling“ (Beitragsbild oben) teilgenommen. Die damals gespendeten Bilder kamen der Encephalitis Society UK zugute. Ausstellungen
In diesem Jahr beteilige ich mich erneut und habe ein Bild von mir nach DenHaag/Niederlande, geschickt. Die Ausstellung findet dort im See Lab Project Space statt. Der Erlös unterstützt das Programm „Blijft-je-Bij“, ein Kunstprogramm des Museums Beelden aan Zee für Menschen, die an Alzheimer bzw. Demenz erkrankt sind.
Die Frau auf meinem Bildes stellt Mnemosyne dar, die Personifikation der Erinnerung in der griechischen Mythologie. Als Sinnbild des Gedächtnisses und der Bewahrung von Geschichten verkörpert sie das Fortleben von Wissen und Erfahrung über Generationen hinweg. Gemeinsam mit Zeus brachte sie die neun Musen hervor, die als Inspiratorinnen von Kunst und Wissenschaft gelten.
In der Unterwelt existierte neben Lethe, dem Fluss des Vergessens, auch die Quelle der Mnemosyne, deren Wasser Erinnerung schenkt – ein Gegenpol zum Verlust des Wissens. Auf meinem Bild entspringt diese Quelle aus Mnemosynes rechter Hand, in ihrer linken hält sie die Laterne des Wissens als Zeichen der Erkenntnis und der geistigen Klarheit. Umgeben ist Mnemosyne von Vergissmeinnicht und Mohnblüten: Während die Vergissmeinnicht für das Festhalten an Erinnerungen und geliebten Menschen stehen, verweist der Mohn auf Schlaf, Traum und das Vergessen – und macht so die Spannung zwischen beidem sichtbar.

